Wer bin ich wirklich? Identität finden, wenn ich mal groß bin
Wenn ich mal groß bin
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Der Traum vom Erwachsenwerden: Wenn ich mal groß bin
Ich habe letzte Nacht von meinem alten Dorf geträumt. Von der Straße, auf der ich Fahrradfahren gelernt habe. Von meiner Grundschule. Von dem Weg dorthin, den ich als Kind tausendmal gegangen bin.
Es war dieses Gefühl von früher. Dieses leise „Wenn ich mal groß bin…“. Wenn ich mal groß bin, dann mache ich all das. Dann beginne ich richtig. Dann fängt mein eigentliches Leben an.
Im Traum war ich dann plötzlich erwachsen. Ich saß auf dem Fahrrad und fuhr durch genau dieses Dorf. Nur plötzlich war ich nicht mehr klein. Ich war groß. Und ich suchte einen Ort. Einen Punkt, an dem ich ankommen konnte. Aber ich fand ihn nicht. Ich fuhr im Kreis. Planlos. Ohne Ziel. Und mit einem merkwürdigen Gefühl: Wo gehöre ich eigentlich hin?
Wie finde ich heraus, was ich wirklich will?
Als ich heute Morgen aufgewacht bin, hat mich das nicht losgelassen. Da war dieses Gefühl von Leere oder auf der Suche. Und ich habe kurz überlegt, woher das kommt. Denn wenn ich mein Leben anschaue, ist es eigentlich voll. Es ist laut. Es ist bewegt. Es ist real.
Ich habe Verantwortung. Termine. Menschen, die mich brauchen. Es ist viel. Manchmal fast zu viel. Und trotzdem war da dieser eine Moment am Morgen und das leise Fragen: Ist das alles? Ist das einfach nur das, was man tut? Erwachsen werden, funktionieren, weitermachen?
Wer bin ich wirklich – jenseits meiner Rollen?
Ich kann viele Rollen aufzählen. Ehefrau. Mutter. Freundin. Schwester. Geschäftsfrau. Tante und so weiter. Aber keine dieser Rollen fühlt sich wie der Kern an. Sie beschreiben, was ich tue. Aber sie beantworten nicht wirklich, wer ich bin.
Weil ich als Kind dachte, „groß sein“ sei ein Ziel. Und im Traum habe ich gemerkt: Groß sein ist kein Ziel. Es ist nur ein Zustand. Man kann erwachsen sein und sich trotzdem so fühlen, als würde man nicht ankommen, suchend.
Was mich innerlich ruhig gemacht hat
Während ich darüber nachgedacht habe, kam mir ein Gedanke, der mich innerlich ruhig gemacht hat. Dass ich nicht zufällig hier bin. Dass ich nicht erst Bedeutung bekomme, wenn ich etwas leiste oder eine bestimmte Rolle erfülle. Sondern dass ich schon vor aller Zeit gesehen war. Gewollt. Gekannt. Mit allem. Mit meinen Macken. Mit meinem Versagen. Mit meinen offenen Fragen.
Identität finden beginnt im Inneren – nicht in dem, was ich tue
Vielleicht ist Identität nichts, was ich mir erarbeiten oder zusammensetzen muss. Vielleicht ist sie nicht die Summe meiner Aufgaben. Vielleicht ist sie nicht das Ziel, das ich noch finden muss, wie ein Ort in meinem alten Dorf.
Vielleicht beginnt Identität finden viel früher. Nicht bei dem, was ich tue. Sondern bei dem, dass ich gewollt bin.
Wer bin ich, wenn niemand meine Rollen aufzählt? Wer bin ich, wenn ich nichts leisten muss? Wer bin ich, bevor ich irgendetwas beweisen will? Vielleicht liegt genau dort der Anfang.
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