Das Monster in meinem Haus
Was wir in uns wachsen lassen
6 Min

Der Raum, den ich nicht kontrollieren konnte
Ich hatte einen Traum, der mich nicht mehr losgelassen hat.
Ich war in meinem eigenen Haus. Es war vertraut. Sicher. Mein Raum. Und trotzdem war da etwas, das dort nicht hingehört hat.
Auf dem Dachboden, in einem der Räume, war ein Monster. Allein dieser Gedanke ist schon beängstigend. Ein Tier, das man nicht kontrollieren kann. Gefährlich. Wachsam. Unberechenbar.
Aber das, was es noch schwerer gemacht hat, war etwas anderes: Es war nicht einfach „da“. Es wirkte, als wäre er entstanden. Geformt. Fast so, als wäre er in einer Art künstlicher Umgebung groß geworden. Und irgendwo wusste ich: Es hat gelernt. Jemand hat ihm beigebracht, Türen zu öffnen. Aber niemand wusste, wer.
Tür für Tür
Der Dachboden hatte mehrere Räume. Und als dieses Tier freigelassen wurde, waren alle Türen offen. Mein erster Impuls war einfach: Tür zu.
Also bin ich in einen Raum gerannt und habe die Tür geschlossen. Für einen kurzen Moment dachte ich, das reicht. Bis ich gemerkt habe: Es weiß, wie man Türen öffnet. Es hat gelernt. Nicht zufällig. Sondern weil es ihm beigebracht wurde.
Also bin ich weitergerannt. In den nächsten Raum. Wieder Tür zu. Und wieder das gleiche. Es kam hinterher. Hat verstanden. Hat sich angepasst. Mit jeder Tür wurde mir klarer: Das hier lässt sich nicht einfach aufhalten.
Die dritte Tür
Im dritten Raum habe ich die Tür nicht nur geschlossen. Ich habe sie abgeschlossen. Und während ich das getan habe, kam ein Gedanke: Was, wenn es auch das lernt?
Während ich abgeschlossen habe, habe ich auf das Schloss geschaut. Ich konnte sehen, wie es einrastet. Dieses leise Klicken. Und gleichzeitig war da dieser kleine Spalt. Dieser schmale Blick auf das, was die Tür eigentlich zusammenhält. Und ich habe mich gefragt: Hält das überhaupt?
Was wir unbewusst formen
Als ich aufgewacht bin, hatte ich sofort dieses Gefühl: Das war nicht nur ein Traum. Die Frage war nicht das Tier. Sondern das, wofür er steht.
Was ist es in unserem Leben, das nicht einfach passiert – sondern geformt wird? Was wächst in einer Umgebung, die wir vielleicht selbst geschaffen haben? Was bringen wir – bewusst oder unbewusst – etwas oder jemandem bei, ohne zu merken, was daraus einmal werden kann?
Eine leise, ehrliche Frage
Vielleicht geht es nicht immer um etwas Offensichtliches. Vielleicht sind es Gedanken. Gewohnheiten. Dynamiken. Einfluss. Dinge, die wir zulassen. Dinge, die wir wachsen lassen. Dinge, die wir – bewusst oder unbewusst – mit formen.
Und irgendwann merken wir: Es ist nicht mehr klein. Es hat gelernt. Es hat sich entwickelt. Und wir stehen davor und fragen uns, wann genau das passiert ist.
Wofür steht dein Monster?
Ich habe keine fertige Antwort. Aber ich merke, wie sehr mich dieser Traum zum Nachdenken bringt. Was gibt es in meinem Leben, das ich vielleicht zu lange habe wachsen lassen? Was wurde geprägt, ohne dass ich es wirklich gesehen habe? Was fühlt sich noch kontrollierbar an – ist es aber vielleicht längst nicht mehr?
Und vielleicht ist die ehrlichste Frage: Warte ich darauf, dass es ausbricht – oder bin ich bereit, jetzt hinzuschauen?
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